Ohne Bürgerenergie keine Energiewende

Über das gemeinsame Ziel die Energiewende dezentral und bürgernah zu gestalten


Heidelberger Energiegenossenschaft

Seit Beginn des Jahres fördert die Zertifizierung mit dem Gütesiegel Grüner Strom auch explizit Bürgerenergieprojekte. So werden zum Beispiel Beratungs- und Gründungskosten von Energiegenossenschaften bezuschusst. Unterstützung erhalten diese engagierten Bürgerinnen und Bürger seit Anfang 2014 auch vom Bündnis Bürgerenergie (BBEn). Der Aufsichtsratsvorsitzende des Bündnisses, Dietmar Freiherr von Blittersdorff, steht wiederum dem Grüner Strom Label e.V. (GSL) seit Anfang 2014 im Fachbeirat beratend zur Seite. Naturverträglich und dezentral soll die Energieversorgung in Deutschland aussehen, sind sich BBEn und der GSL e.V. einig.

„Das Ökostromlabel der Umweltverbände“ hat zum 1. Januar 2015 seine Kriterien für die Zertifizierung überarbeitet. Um die Energiewende nachhaltig zu gestalten setzt das Grüner Strom-Label auf Vielfalt. Neben engagierten Stromversorgern, mit echtem Ökostrom im Portfolio, sollen auch Bürgerenergiegenossenschaften die Zukunft der erneuerbaren Energien mittragen.

Ökokraftwerke der Bürgerenergie, die in der eigenen Umgebung den Ökostrom für die Kunden liefern, schaffen deutlich mehr Akzeptanz für erneuerbare Energien und stärken die regionale Wirtschaft. Laut der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), erachten 94 % aller Bürgerinnen und Bürger erneuerbare Energien für generell wichtig. Auch die Erzeugung von Ökostrom vor der eigenen Haustür ist kein Problem mehr, zumindest wenn Windkraft oder Biogas in der Umgebung nichts Neues ist.

Um aus dieser Akzeptanz aktive Beteiligung zu machen, fordert das BBEn seit seiner Gründung mehr Spielraum für Bürgerenergiegenossenschaften und wirft der Bundespolitik ein unfaires Spiel vor.

"In der Öffentlichkeit spricht die Bundesregierung von Akteursvielfalt, dezentraler Energieversorgung und Bürgerbeteiligung bei der Energiewende. Genau das Gegenteil macht sie im Gesetzgebungsverfahren (EEG) oder wie zuletzt bei der Ausschreibungsverordnung für PV-Freiflächenanlagen", so von Blittersdorff. Ohne Not bleibe das Wirtschaftsministerium hinter den EU-Empfehlungen zurück. Die EU erlaube es, kleine Projekte aus der allgemeinen Pflicht zur Ausschreibung auszunehmen. Die EU-Wettbewerbs Kommissarin Margrethe Vestager begründe dies damit, dass "eine Ausschreibung für kleine Projektträger möglichweise nicht das richtige Instrument sei". Genau dieses Ergebnis hat die erste Ausschreibungsrunde gebracht: Keine Energiegenossenschaft kam zum Zuge, die Vergütung liegt über dem EEG-Niveau, statt vieler Akteure hat ein einziger Anbieter 40 % des Ausbauvolumens ersteigert.

Dabei zeigen Beispiele im ganzen Land: Energie ökologisch nachhaltig und für die Region selber erzeugen geht - und zwar gut. Knapp 1.000 Bürgerenergiegenossenschaften sind laut einer Auswertung der Leuphana Universität Lüneburg in Deutschland registriert. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Bürgerenergieprojekt ist die „Neue Heimat“ der Heidelberger Energiegenossenschaft. Unterstützt durch Fördergelder des Grüner Strom-Labels hat ein junges Team dafür gesorgt, dass in Nußloch bei Heidelberg das erste Mieterstrommodell für Mehrfamilienhäuser von einer Energiegenossenschaft umgesetzt werden konnte.

Mit der neuen Fördermöglichkeit bietet das Grüner Strom-Label an, die finanzielle Last einer Gründung aber auch den Bau von neuen Bürgerenergieanlagen mitzutragen. Energieversorger können mit den Geldern aus der Grüner Strom-Zertifizierung die Bürgerenergie unterstützen. Dass Bürgerenergiegenossenschaften trotz politischer Hindernisse eine tragende Rolle bei der Energiewende spielen, dafür werden sich das Bündnis Bürgerenergie und der Grüner Strom Label e.V. einsetzen.

Die neuen Fördermöglichkeiten des Grüner Strom-Labels und weitere angepasste Kriterien sind in der Infobroschüre für Sie zusammengefasst.