Dialogforum Naturverträgliche Energiewende

Mit zunehmendem Ausbau der Erneuerbaren nimmt auch das Konfliktpotenzial zwischen Investoren (z.B. Akteure der Energiewirtschaft), Klimaschützern, Naturschützern und betroffenen Bürgern zu. Hinzu kommt, dass mittlerweile allein schon die Gefahr möglicher langwieriger Auseinandersetzungen bei Erneuerbare-Energien-Vorhaben potenzielle Investoren zurückschrecken lässt, da der Kostendruck weiter zunimmt.

Seit Bestehen des Grüner Strom Label e.V. 1998 ist das Themenfeld 'Naturverträgliche Energiewende' in Leitbild und Vision unseres Vereins sowie in den Kriterien der beiden Gütesiegel Grüner Strom und Grünes Gas verankert.

Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen den drei Perspektiven 'Energiewirtschaft - Naturschutz - Bürgerbelange' und als Impulsgeber für einen ausgewogenen Dialog mit dem Ziel einer gerechten, naturverträglichen Energiewende.


Perspektive der modernen Energiewirtschaft

Unsere Kunden sind neben traditionsreichen Stadtwerken auch unabhängige Ökoenergieversorger und Bürgerenergiegenossenschaften.

Alle stehen für den Ausbau von Erneuerbaren Energien und zur Energiewende und spiegeln somit Perspektiven einer modernen Energiewirtschaft wider.

Perspektive der Naturschutz- und Umweltorganisationen

Unsere Trägerorganisationen BUND, Deutscher Naturschutzring und NABU zählen zu den größten und einflussreichsten deutschen Naturschutz- und Umweltorganisationen.

Die naturschutzfachlichen Argumente und Positionen dieser Verbände bilden u.a. die Grundlage der Gütesiegel Grüner Strom und Grünes Gas.

Perspektive bürgerlicher Belange

Unsere sieben Trägerverbände bilden ein breites Spektrum zivilgesellschaftlichen Bürgerengagements ab. Bei unserer Grüner Strom-Projektförderung stehen Bürgerbeteiligung und Akteursvielfalt im Fokus. Gefördert werden bspw. die Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften, regionale Betreibermodelle, Bildungsveranstaltungen und Bürgerdialoge.

Das fördert echte Teilhabe an der Energiewende und stärkt die Akzeptanz vor Ort.


Ergebnisse der Online-Umfrage

Zu diesem Thema führten wir von Juli bis Dezember 2017 eine Online-Umfrage durch.

Die Teilnehmer*innen wurden nach der Vereinbarkeit verschiedener Erneuerbare-Energien-Anlagen mit Naturverträglichkeit gefragt. 250 Interessierte haben teilgenommen. Die Umfrage erhebt keinen repräsentativen Anspruch und die Ergebnisse spiegeln lediglich die Meinung der Befragten wider.

Ergebnisse dieser Umfrage fließen auch in die Fortentwicklung der Labels Grüner Strom und Grünes Gas mit ein.

Die Online-Umfrage gliederte sich in verschiedene Teilbereiche, deren Ergebnisse in Auszügen hier dargestellt sind.


Solare Energieerzeugung: Dach- und Fassadenanlagen / Freiflächenanlagen

Fragen: Bitte bewerten Sie die Vereinbarkeit von Energieerzeugung durch Solarkraft mit Naturverträglichkeit. Welche Argumente zur (Un-) Verträglichkeit fallen Ihnen besonders ein? Wie nehmen Sie entsprechende Anlage in Ihrem Umkreis wahr?

Ein interessantes Teilergebnis ist: 97 Prozent der Befragten bewerten die Vereinbarkeit von Naturverträglichkeit und Solaren Energieerzeugungsanlagen auf Dächern und Fassaden mit 'voll und ganz' oder 'eher vereinbar' – ein Wert, der deutlich höher ist als bei anderen erneuerbaren Energien wie Biomasse oder Wasserkraft.

Die Befragten begründen dies vor allem damit, dass diese Art der Energieerzeugung keine zusätzlichen Flächen verbraucht und die Erzeugung nahe am Verbrauch erfolgt. Nur knapp über ein Prozent äußert Zweifel an der Vereinbarkeit von Solaranlagen auf Dächern und Fassaden mit Naturverträglichkeit. Die Kritik bezieht sich dabei auf die Herstellung von Solaranlagen, dabei solle mehr auf Umweltverträglichkeit geachtet werden.

Ebenfalls interessant: Auch solare Energieerzeugung auf Freiflächenanlagen erhält weitgehend Zustimmung. Über 70 Prozent der Teilnehmer*innen sind sich einig, dass Solaranlagen auf freien Flächen eher bzw. voll und ganz vereinbar mit Naturverträglichkeit sind.

Als Gründe werden unter anderem angegeben, dass unter den Modulen weiter Pflanzen wachsen können und hohe Stromerträge erzielt werden können. 17 Prozent sehen eher keine Vereinbarkeit von Naturverträglichkeit mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Kritisiert wird, dass die Böden angesichts von Flächenknappheit anders nutzbar wären.

Die Online-Umfrage gibt einen Hinweis darauf, dass in Bezug auf Naturverträglichkeit Photovoltaik-Dachanlagen die bevorzugte Form der Energieerzeugung sind. Dies bestätigt uns darin, dass die Förderung von Photovoltaikanlagen über das Grüner Strom-Label weiterhin ein wichtiges Instrument ist. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die politisch definierten Ausbaupfade für Photovoltaik in den letzten Jahren nie erreicht wurden.

Aus unserer Sicht sind Photovoltaik-Dachanlagen für naturverträgliche Energiewende unverzichtbar. Dies gilt auch für PV-Freiflächenanlagen, sofern deren Realisierung an klare Naturschutz-Kriterien gekoppelt ist. Somit leistet jede Grüner Strom-geförderte Solaranlage einen Beitrag zum Gelingen der naturverträglichen Energiewende.

Mit Photovoltaikanlagen allein wird die Energiewende jedoch nicht gelingen – dafür braucht es ein Zusammenspiel der verschiedener, erneuerbarer Energieformen, wie Biomasse, Wasserkraft und Windkraft.


Windenergie: On-Shore-, Off-Shore- und Kleinwindenergieanlagen

Fragen: Bitte bewerten Sie die Vereinbarkeit von Stromerzeugung durch Windkraft mit Naturverträglichkeit. Welche Argumente zur (Un-) Verträglichkeit fallen Ihnen besonders ein? Wie nehmen Sie entsprechende Anlage in Ihrem Umkreis wahr?

Generell sind die Befragten mehrheitlich der Meinung, dass Windenergieanlagen und Naturverträglichkeit ‚voll und ganz‘ vereinbar oder ‚eher vereinbar‘ sind. Bei On-Shore-Anlagen und Kleinwindenergieanlagen teilen sogar 80 Prozent diese Ansicht. Die Zustimmung gegenüber Off-Shore-Anlagen fällt mit zwei Dritteln etwas geringer aus.

Die Befragten führen gegen Off-Shore-Anlagen an, dass bei Bau und Betrieb enorm in das Ökosystem, Flora und Fauna eingegriffen wird. Durch Lärm und Schall werden Tiere nachhaltig beeinträchtigt, sodass manche Befragten grundsätzlich in Frage stellen, ob eine naturverträgliche Nutzung von Off-Shore-Windenergie überhaupt möglich ist.

Auch merken einige Teilnehmer*innen an, dass Off-Shore-Anlagen oft aufwändig und kostspielig im Bau sind. Das gefährdet die Akteursvielfalt, da bspw. Bürgerenergiegenossenschaften die notwendigen Mittel nicht ohne Weiteres aufbringen können. Somit bliebe Bau und Betrieb von Off-Shore-Anlagen nur großen Investoren vorbehalten. So stünden Off-Shore-Anlagen den Zielen einer dezentralen, bürgernahen Energiewende in gewisser Weise entgegen.

Auch hinsichtlich der anderen beiden Formen der Windenergieanlagen erweisen sich die Befragten als sehr reflektiert und teilweise kritisch.

Sie kritisieren beispielsweise, dass Kleinwindenergieanlagen zwar weniger störend sind als Off-Shore- oder On-Shore-Windanlagen, meist allerdings Wirkungsgrad und Leistung so gering sind, dass sie sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht rentieren. Es ist – so die Auffassung einiger Teilnehmer*innen – zwar eine gute Idee, durch Kleinwindenergieanlagen Strom direkt dort zu erzeugen, wo er gebraucht wird. Doch im Kontext von Kleinwindenergieanlagen fehlt momentan noch das notwendige Know-How und belastbare Erfahrungswerte, um der Idee zum Durchbruch zu verhelfen.

Bei On-Shore-Anlagen führen Teilnehmer*innen ins Feld, dass es Probleme mit Vogelflug und Fledermäusen geben kann, wodurch sich die Naturverträglichkeit verringert. Allerdings sind viele Befragte der Meinung, dass ein Betrieb von Windenergieanlagen bei guter Planung und bedachter Standortwahl ohne Probleme möglich ist. Auch wird angeführt, dass Windenergieanlagen in jedem Fall naturverträglicher sind, als Kohle- oder Atomkraftwerke.

Die Online-Umfrage gibt Hinweise darauf, dass es bei der Nutzung von Windenergieanlagen stark auf gute Planung und bedachte Standortwahl ankommt. Das vorhandene Ökosystem muss berücksichtigt werden, um eine gute Vereinbarkeit von Naturschutz und Windenergieanlagen gewährleisten zu können. Die große Zustimmung zu Kleinwindenergieanlagen und On-Shore-Anlagen deutet darauf hin, dass Windenergieanlagen bei entsprechend vorausschauender Planung und Umsetzung, gut geeignet sind, um Ökostrom naturverträglich zu produzieren, ähnlich wie bei Photovoltaikanlagen.


Biomasse aus Reststoffen, Holz und Energiepflanzen

Fragen: Bitte bewerten Sie die Vereinbarkeit von Energieerzeugung durch Biomasse (Biogas) mit Naturverträglichkeit. Welche Argumente zur (Un-) Verträglichkeit fallen Ihnen besonders ein? Wie nehmen Sie entsprechende Anlage in Ihrem Umkreis wahr?

Auch hinsichtlich der Nutzung von Biomasse haben die Befragten ein sehr differenziertes Bild. Ob die energetische Nutzung von Biomasse naturverträglich erfolgen kann, hängt laut Meinung der Befragten stark von der Art der Biomasse ab. So halten circa 95 Prozent Biogas aus Reststoffen und Abfall für voll und ganz oder eher naturverträglich. Im direkten Vergleich dazu glaubt knapp ein Drittel der Teilnehmer*innen, dass eine Nutzung von Energiepflanzen naturverträglich ist.

Bei Rest- und Abfallstoffen merken die Befragten an, dass sichergestellt werden muss, dass die Stoffe schadstofffrei und frei von nicht-biologischen Stoffen sind. Außerdem sei es wichtig, dass Kompostierung, Verrottung und die Rückführung von Nährstoffen in die Natur nicht zu kurz kommen. Bei der Verwendung von Holz in Biogasanlagen betonen die Befragten, dass Holz nur dann verwendet werden sollte, wenn es aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft stammt und nicht mehr Holz geschlagen wird, als auch nachwächst.

Über die Naturverträglichkeit bei der Nutzung von Energiepflanzen zur Biogaserzeugung haben die Teilnehmer*innen der Umfrage differenziertere Sichtweisen: Der Anbau von Energiepflanzen stehe in Konkurrenz zur Nahrungsmittelversorgung und führe zum erhöhten Import von Nahrungsmitteln aus dem Ausland, die unter fragwürdigen Bedingungen produziert werden. Weiterhin kommentierten Befragte, dass Energiepflanzen die Flora und Fauna belasten, häufig in Monokulturen angebaut würden und dadurch zur Reduktion der Biodiversität beitragen. Insgesamt sahen 32 Prozent der Teilnehmer*innen die Nutzung von Energiepflanzen als ‚eher‘ oder ‚voll und ganz‘ vereinbar mit Natur- und Umweltschutz an. Knapp 21 Prozent antworteten mit ‚weder noch‘. 47 Prozent der Befragten sehen ‚eher keine‘ oder ‚überhaupt keine‘ Vereinbarkeit.

Teilnehmer*innen erklären, vereinbar sei die Nutzung von Energiepflanzen nur, wenn sie ohne Dünger und Chemieeinsatz in der Nähe der Biogasanlage und ohne weitere Eingriffe des Menschen von sich aus gut gedeihen und auf großflächige Monokulturen verzichtet wird. Es wird auch argumentiert, dass das Gesamtkonzept bestimmt, ob eine Biogasanlage naturverträglich ist, oder nicht. Demnach spielen Anbau und Verarbeitung der Biomasse, aber auch Standortwahl, Anlage und Bewirtschaftung der Anlage eine große Rolle. Auch wird angeführt, dass Biogasanlagen ideale chemische Energiespeicher darstellen, die dann einspringen können, wenn kein Wind wehe und die Sonne nicht scheine.

Die Online-Umfrage gibt Hinweise darauf, dass es bei der Nutzung von Biogasanlagen stark darauf ankommt, woher die Substrate stammen, die zu Biogas vergoren werden. Während die Nutzung biogener Abfall- und Reststoffe auf fast 95 prozentige Zustimmung trifft, ist eine naturverträgliche Nutzung von Holz und Energiepflanzen stärker mit Vorbehalten belastet. Äußerungen von Teilnehmer*innen deuten auf eine differenziertere Betrachtung hin. Wenn ein sinnvolles Gesamtnutzungskonzept vorliegt, kann auch die Verwendung von NawaRo naturverträglich sein. Insgesamt betrachtet wird die Biogasgewinnung positiv aufgenommen. Voraussetzung ist, dass das Nutzungskonzept vorausschauend geplant ist und nicht nur auf eine nachhaltige Energieproduktion abzielt, sondern auch auf die Naturverträglichkeit der Substrate zur Biogaserzeugung berücksichtigt.


Ökologie, Ökonomie und Sozialverträglichkeit wichtig für die Energiewende

Aufgabe: Für das Gelingen einer nachhaltigen Energiewende können neben ökologischen Aspekten weitere Belange eine Rolle spielen. Gewichten Sie im Folgenden bitte die Aspekte, die zu einer nachhaltigen Energiewende gehören können, nach ihrer Bedeutung.

Zu einer erfolgreichen Energiewende gehören die Vereinbarkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialverträglichkeit. In unserer Umfrage hatten Teilnehmer die Möglichkeit, die verschiedenen Aspekte hinsichtlich ihrer Relevanz zu bewerten. 

Für die Befragten stehen die ökologischen Belange an erster Stelle: Sind EE-Anlagen mit dem Klimaschutz vereinbar? Wird auf Flora und Fauna Rücksicht genommen? Werden Wälder ausreichend geschützt? Solche und ähnliche Fragestellungen müssen bei Planung und Umsetzung von Erneuerbare Energien-Anlagen berücksichtigt werden, um eine naturverträgliche Energiewende zu forcieren.

Aber auch die Aspekte Ökonomie und Sozialverträglichkeit halten die Teilnehmer für wichtig. Folglich müssen auch volkswirtschaftliche Faktoren, wie Kosten und Nutzen sowie Belange von Bürgern berücksichtigt werden, bspw. durch Bürgerbeteiligungs- und Akzeptanzmaßnahmen.

Weiterhin konnten die Teilnehmer*innen zusätzliche Aspekte für eine erfolgreiche Energiewende benennen. Genannt wurden unter anderem Dezentralität, Regionalität und Bürger*innennähe. Des Weiteren wurde angemerkt, dass die Politik für bessere rechtliche und planerische Rahmenbedingungen sorgen müsse, um die Energiewende voran zu treiben und nicht zu hemmen.

Zusammengefasst kann die Energiewende aus Sicht der Teilnehmer*innen nur dann erfolgreich sein, wenn die Faktoren Ökologie, Ökonomie und Sozialverträglichkeit berücksichtigt werden, wobei ökologische Belange in diesem Dreiklang für etwas wichtiger erachtet werden.


Die Bedeutung von Ökostrom- und Biogaslabels

Aufgabe: Bitte kreuzen Sie an, in wie weit Sie den folgenden Aussagen zu Ökostrom- und Biogasprodukten zustimmen.

Über 15 Millionen Haushalte beziehen in Europa inzwischen Ökostrom, doch viele vermeintlich grüne Tarife liefern weder echten Ökostrom noch führen sie zu einem Ausbau erneuerbarer Energien. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich somit nur auf wenige Ökostromlabels verlassen. Das ZDF sagt: Labels sollen dazu dienen, den Markt für Ökostrom transparenter und die Qualität der Angebote über-prüfbar zu machen. Für die Vergabe solcher Labels sei die Zusammensetzung des Stroms entscheidend. Hinschauen lohne sich (Volle Kanne, September 2018). 

Doch wie wichtig sind Verbraucher*innen Ökostrom- und Biogassiegel? 70 Prozent der Befragten der nicht-repräsentativen Umfrage zur Naturverträglichen Energie-wende reicht es nicht aus, Ökostrom- und Biogas-Produkte zu beziehen, die nur den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprechen und mit keinem zusätzlichen Label ausgezeichnet sind. Mehr als 85 Prozent der Befragten fordern weiterhin, dass Labels für Ökostrom und Biogas eine naturverträgliche Energiewende garan-tieren sollten. Es wird also von Labels für Ökostrom- und Biogas-Produkte erwartet, dass sie zusätzliche Kriterien formulieren, die über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen und auf diese Weise die Naturverträglichkeit der zertifizierten Produkte sicherstellen.

Etikettenschwindel bei Ökostrom und Biogas

Diese Ergebnisse stehen in starkem Widerspruch zur Wirklichkeit: Viele Ökostrom-Produkte auf dem Markt erfüllen nur die gesetzlichen Anforderungen. Jeder Ener-gieanbieter, der seinen Kunden Ökostrom verkauft, muss dafür Herkunftsnachwei-se des Umweltbundesamtes (UBA) verwenden und entwerten. Das soll sicherstel-len, dass Ökostrom nicht doppelt vermarktet wird. Die Nachweise sind allerdings keine Qualitätssiegel, denn sie garantieren nicht, dass ein zusätzlicher Nutzen für die Umwelt entsteht. Das System kann außerdem nicht verhindern, dass Energie-anbieter Atom- und Kohlestrom mit Hilfe von zusätzlich eingekauften Herkunfts-nachweisen zu „Grünstrom“ umetikettiert oder „grüne gewaschen“ werden. Grund dafür ist, dass die Nachweise unabhängig von den tatsächlichen Strommengen gehandelt werden können.

Die Gefahr des Greenwashings besteht auch bei sogenannten Öko- und Klimagas-tarifen, bei denen die durch den Verbrauch von Erdgas entstehenden CO2-Emissionen an anderer Stelle ausgeglichen werden sollen. Etablierte Standards gibt es hierbei allerdings nicht. Die realen CO2-Emissionen vor Ort werden nicht reduziert und an der eigentlichen Energieversorgung ändert sich nichts – es wird weiterhin ausschließlich fossiles Erdgas verbrannt.

Das Problem: Fast Jeder Stromanbieter hat mittlerweile Ökostromprodukte, doch der Begriff Ökostrom ist nicht geschützt. Man muss genau hinschauen, ob auch wirk-lich das drin ist, was draufsteht. Wird nicht in den Ausbau weiterer Anlagen inves-tiert, ist der Nutzen für die Umwelt gering. Eine Garantie können Gütesiegel geben. Wichtig ist, dass man darauf achtet, dass der Ökostromanbieter den man wählt, neue Investitionen in neue erneuerbare Energieanlagen tätigt (WISO, September 2018). 

Garantiert öko – die Gütesiegel Grüner Strom und Grünes Gas

Das Grüner Strom-Label für Ökostrom mit Mehrwert und das Grünes Gas-Label für umweltverträgliches Biogas

Das Grüner Strom-Label schnitt in zwei unabhängigen Studien als bestes Ökostromlabel Deutschlands ab. Die Verbraucherinitiative Niedersachen veröffentlichte 2016 eine Ökostrom-Marktuntersuchung und bewertete die 12 wichtigsten Ökostromlabels in Deutschland: Einzig das Grüner Strom-Label erhielt das Prädikat ,sehr empfehlenswert‘. Zu ähnlichen Ergebnissen wie die Verbraucherzentrale kam der Dachverband europäischer Verbraucherorganisationen BEUC. 2017 gaben sie eine Studie zum Ökostrommarkt heraus und wiesen darauf hin, dass nur das Grüner Strom-Label alle Kriterien zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.

Über das Grüner Strom-Label wurden seit 1998 mehr als 1.300 Projekte mit über 55 Millionen Euro gefördert und so die Energiewende maßgeblich vorangebracht. Neben vielen regionalen Tarifen stehen Verbraucherinnen und Verbrauchern rund ein Dutzend Ökostromprodukte mit dem Grüner Strom-Label zur Auswahl, die von überregionalen Energieversorgern angeboten werden. Welche Produkte an ihrem Wohnort verfügbar sind, erfahren Verbraucher über unsere PLZ-Produktsuche.

Das Siegel Grünes Gas setzt hohe Standards für Biogas und ist laut der nachhaltigen Kaufberatung, utopia.de, das strengste Ökogas-Siegel in Deutschland. Das Biogaslabel der Umweltverbände erhält hier das Prädikat ,sehr empfehlenswert‘. Weiterhin bewertet label-online, dass mit dem Grünes Gas-Label Biogas ausge-zeichnet werde, das eindeutige, nachprüfbare Vergabekriterien besitzt und zu ökologischen Verbesserung bei der Produktion von Biogas beiträgt .

Insgesamt wird deutlich, dass weiterhin die Notwendigkeit für anspruchsvolle Ökoenergiesiegel besteht, die sowohl als Transparenzmerkmal für die Verbraucher im komplexen Strommarkt dienen als auch zur Gestaltung der Energiewende beitragen. Der Konsens ist, dass Gütesiegel den naturverträglichen Ausbau von erneuerbaren Energie-Anlagen vorantreiben.


Echten Ökostrom beziehen


Kontakt:

Daniel Craffonara
(Politologe M.A., Fachjournalist fjs)

Geschäftsführer

Telefon: 0228 / 522 611-95
E-Mail: d.craffonara(at)gruenerstromlabel.de