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Das Grüner Strom-Label für Ökostrom mit Mehrwert und das Grünes Gas-Label für umweltverträgliches Biogas

Seit 1998 macht sich das Grüner Strom-Label stark für eine 100-prozentige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Vor 20 Jahren entstand ein Verein, der durch die Zertifizierung von Ökostrom nicht nur zur Transparenz im Strommarkt beiträgt, sondern die Energiewende bis heute voranbringt. Aktuelle Schwerpunkte sind Naturverträglichkeit und Elektromobilität.

Im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland Mitte der 90er Jahre, entstand die Idee zu einem hochwertigen Label für Ökostrom. So erfolgte 1998 die Gründung und Markteinführung des Grüner Strom-Labels. Initiiert von EUROSOLAR, BUND, NABU und weiteren Umwelt- und Verbraucherverbänden, verfolgt der Verein bis heute die Vision einer 100-prozentigen ökologischen und dezentralen Energieversorgung und das Ziel, Verbraucher*innen bei der Wahl des Ökostromtarifs transparent zu unterstützen. Zur Jahrtausendwende war die NATURSTROM AG erster Labelnehmer des ersten Ökostromlabels in Deutschland und bei Einführung des Grünes Gas-Labels 2013 auch Vorreiter für das erste deutsche Biogaslabel.

Die 2006 eingerichtete Geschäftsstelle in Bonn ist Ansprechpartner für Labelnehmer, übernimmt Aufgaben der Zertifizierung und fungiert als Schnittstelle zwischen Umweltverbänden und der Energiewirtschaft. Inzwischen sind mehr als 75 Energieversorger mit über 90 Ökostromtarife, darunter 12 bundesweit, mit dem Grüner Strom-Label zertifiziert. So werden ca. 360.000 Haushalte mit 1.16 Terawattstunden zertifiziertem Ökostrom pro Jahr versorgt. Zudem gibt es fünf Biogastarife, die mit dem Grünes Gas-Label ausgezeichnet sind.

Investitionen in die Energiewende

Je abgesetzter Kilowattstunde Grüner Strom-zertifizierten Ökostroms investieren die Anbieter einen festen Förderbetrag in neue Energiewende-Projekte. Im Privatkundensegment sind es mindestens 0,5 Cent/kWh. So wurden bisher über 1.300 Projekte umgesetzt, wie Wind- und PV-Anlagen, zu E-Mobilität, Bildung oder auch Naturschutz. Einige Projekte haben anerkannten Pioniercharakter: Die Solaranlage der Studierendeninitiative Solar Powers e.V. auf der TU-Zentralbibliothek in Berlin wurde 2018 mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet. Das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt erhielt zusammen mit dem Konstanzer Mieterstrommodell den VKU-Innovationspreis 2017. In beiden Projekten wird der Strom der hauseigenen PV-Anlagen im Miethaus an die Wohnparteien günstig verkauft. So profitieren auch Mieter von der Energiewende.

Auch außerhalb Deutschlands werden Projekte durch die Zertifizierung mit dem Grüner Strom-Label verwirklicht, wie die PV-Anlage auf dem Erholungszentrum Nadeshda nahe Minsk (Weißrussland) für Kinder aus der Tschernobyl-Region.

Insgesamt flossen durch die Grüner Strom-Zertifizierung bereits über 55 Millionen Euro in Förderprojekte. Durch diese anteilige Förderung löste das Ökostromlabel in den vergangenen 20 Jahren Gesamtinvestitionen von rund 280 Millionen Euro in die Energiewende aus. Zum 1. Januar 2017 hat das Ökostromlabel der Umweltverbände den Mindestförderbetrag für Privatkunden auf 0,5 Cent reduziert und mit 0,1 Cent eine neue Komponente für Großkunden eingeführt. Damit reagiert der Grüner Strom Label e.V. auf die aktuellen Marktgegebenheiten.

Schwerpunkte: Elektromobilität und Naturverträglichkeit

Die Schwerpunkte beim Grüner Strom-Label orientieren sich am Puls der Zeit und reichen von Naturverträglichkeit bis zu Elektromobilität. So wurden 2018 erstmals nicht nur Energiewende-Projekte durch das Grüner Strom-Label gefördert, sondern auch konkrete Natur- und Artenschutzmaßnahmen.

Der Erfolg der naturverträglichen Energiewende ist nur mit einer Verkehrswende denkbar, die auf der verstärkten Nutzung von E-Mobilität beruht. „Elektromobilität ist dann besonders umweltfreundlich, wenn richtiger Ökostrom genutzt wird. Elektrofahrzeuge, die mit Kohlestrom fahren oder mit virtuellen Ökostrom-Zertifikaten einfach nur grün gestrichen werden, sind nur halbherzige Beiträge zur Energie- und Verkehrswende“, erläutert Dietmar Oeliger, Vorsitzender des Grüner Strom Label e.V. Grüner Strom-Labelnehmer zeigen mittlerweile eine ganze Bandbreite von Aktivitäten im Wachstumsmarkt Elektromobilität – von Infrastrukturprojekten, über Sharing-Angebote für E-Fahrzeuge, bis hin zu speziellen Endkundentarifen. Dabei steht die Kombination mit zertifiziertem Ökostrom im Fokus. Aktuelle Beispiele sind Elektrobusse in Bonn, die mit zertifiziertem Ökostrom geladen werden oder Ionity, dessen geplantes Schnellladesäulennetz an deutschen Autobahnen mit zertifiziertem Ökostrom von Polarstern betrieben wird.

Umweltverträgliches Biogas – das Grünes Gas-Label

Auch das Grünes Gas-Label entwickelt sich weiter: Seit Anfang 2018 ist ein überarbeiteter Kriterienkatalog in Kraft getreten. Der Schwerpunkt des Labels liegt auf Biogas aus biogenen Reststoffen wie Küchenabfällen oder Grünschnitt aus kommunaler Bewirtschaftung. So passt sich das Biogaslabel der Umweltverbände den aktuellen Entwicklungen in der Branche an und repräsentiert den Wunsch vieler Endverbraucher: Nach einer eigenen, nicht-repräsentativen Online-Umfrage stehen 95 Prozent der Teilnehmer*innen hinter biogenen Reststoffen als naturverträgliche Alternative der erneuerbaren Energien.

Fazit nach 20 Jahren Arbeit in der Energiewende ist, dass im immer komplexer werdenden Energiemarkt anspruchsvolle Gütesiegel weiterhin wichtig sind: Die Ökosiegel Grüner Strom und Grünes Gas bieten nicht nur Verbraucher*innen Orientierung im Markt für Ökostrom und Biogas, sie stellen auch ein Qualitätsmerkmal für Energieversorger dar, die hochwertigen Ökostrom und umweltverträgliches Biogas anbieten.

erschienen in Solarzeitalter 4-2018

Montage einer Windturbine des Bürgerwindparks in Ramsthal. Bürger konnten sich finanziell am Projekt beteiligen. (Foto: NATURSTROM AG)
Dach der Zentralbibliothek der TU Berlin - jetzt mit einer Grüner Strom-geförderten Photovoltaik-Anlage. (Foto: Solar Powers e.V.)
Durch das Grüner Strom-Label wird auch die Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften gefördert, wie hier der BEG Köllertal. (Foto: BEG Köllertal)
Aktiv-Stadthaus in Frankfurt: Über das Jahr gesehen wird mehr Strom durch Sonnenenergie produziert als die Bewohner verbrauchen. (Foto: Mainova AG, Frankfurt)

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