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Die Bürgerbeteiligung stellt eine wichtige Säule der Energiewende dar. Dafür steht beispielhaft die Bürger-Energie-Genossenschaft Köllertal, mit dessen Vorstand wir uns über die Gründung und aktuelle Projekte unterhalten durften.: Vorstand BEG-Köllertal eG v.l.n.r.: Karl Werner Götzinger, Manfred Burger, Wolfgang Theobald. (Foto: Bürger-Energie-Genossenschaft Köllertal eG)

Zu den Anfängen der BEG Köllertal und der Förderung durch das Grüner Strom-Label / Hintergrundgespräch mit BEG Köllertal Vorsitzendem Karl Werner Götzinger

Am 07. Mai 2015 wurde die Bürger-Energie-Genossenschaft Köllertal eG im Schulungsheim des OGV Herchenbach von 15 "Überzeugungstätern" gegründet. Mittlerweile wurden viele Photovoltaik-Projekte umgesetzt und es ist möglich Ökostrom von der Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) zu beziehen. Eines davon ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach der KITA in Püttlingen, die durch die Fördermittel des Grüner Strom Label ermöglicht wurden. Welche weiteren Projekte die BEG Köllertal plant und wie das Grüner Strom Label nicht nur bei Projekten sondern auch bei der Gründung unterstützt hat – alle Antworten darauf im Interview mit BEG Köllertal Vorstand Karl Werner Götzinger!

Melanie Alberts:
Herr Götzinger, auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass die BEG Köllertal im Jahr 2015 von „Überzeugungstätern“ gegründet wurde. Kurz dazu: Wie hat sich das alles ergeben, wie viele Leute waren beim ersten Treffen dabei und wie kam es zu Ihrer Position als Vorstand?

Karl Werner Götzinger:
Der Ursprung unserer Genossenschaft liegt tatsächlich im Jahr 2013. Damals wurde in einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Heusweiler die Stromversorgung auf unterirdische Kabel umgestellt. Ein seit Jahrzehnten in der Anti-Atom-Bewegung engagierter Senior, Sigurd Kautz, Jahrgang 1941, erinnerte sich an die Anfänge seines Stromversorgers, den EWS – Elektrizitätswerken Schönau. Er wollte es diesen gleich tun und die nach der Umstellung vorhandene, überflüssige oberirdische Stromnetzinfrastruktur aufkaufen.
Er organisierte auf privater Basis eine Versammlung in der Dorfkneipe. Die Resonanz war umwerfend – fast 100 Leute, auch aus den umliegenden Gemeinden, sprengten die Räumlichkeiten.
Das Projekt wurde zwar nie realisiert, führte aber an diesem Abend die Leute zusammen, die dann auch zu den Gründern der Bürger-Energie-Genossenschaft Köllertal eG wurden. Sigurd Kautz gehört natürlich auch dazu und ist auch heute noch Mitglied des Aufsichtsrates.

Melanie Alberts:
Eine Gründung ist auch immer verbunden mit Problemen und Hindernissen - welche gab es bei Ihnen und wer hat Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Karl Werner Götzinger:
Die Idee einer Bürger-Energie-Genossenschafts-Gründung lag von Beginn an nahe, allerdings hatten wir keinerlei Erfahrung damit. Auch hier halfen die Elektrizitätswerke Schönau und eine benachbarte BEG. Diese erläuterten uns die Anforderungen an eine Genossenschaft, wie zum Beispiel Satzung, Verbandsmitgliedschaft, Registereintragung, Verbandsprüfung und die damit verbundenen Kosten. Man empfahl uns zunächst einen Förderverein zu gründen, uns in den umliegenden Kommunen vorzustellen und nach einem passenden Startprojekt Ausschau zu halten - und genau das haben wir dann auch getan. Zwei Jahre nach der Vereinsgründung fanden wir dann ein passendes Startprojekt. Die Stadt Püttlingen erinnerte sich an die Passage in ihrem Klimaschutzkonzept, nach der sie die Gründung einer Bürger-Energie-Genossenschaft unterstützen würde. Einstimmig beschloss der Rat das Dach einer Kita für ein Startprojekt der BEG bereitzustellen.
So kam es dann am 07.05.2015 zur Gründung mit 15 Mitgliedern, die sich seither auch aktiv einbringen. Zu meiner Position als Vorstandsvorsitzenden kann ich eigentlich nur Udo Lindenberg zitieren: „Einer muss den Job ja machen!“ Aber bitte nicht missverstehen, der Job macht Spaß. Er gibt mir und sicher auch den anderen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern sehr viel Zufriedenheit. Wir sehen, dass wir wirklich etwas auf die Beine stellen und für unsere Kinder bewegen können – das ist schon toll!

Melanie Alberts:
Ihre Gründung sowie mehrere Ihrer Energieprojekte wurden von Grüner Strom Label e.V. gefördert. Wie und wobei haben die Fördergelder Ihnen geholfen?

Karl Werner Götzinger:
Ganz besonders wichtig war für uns die Förderung der Genossenschaftsgründung selbst und des Startprojektes. Die Aktiven der BEG in Vorstand und Aufsichtsrat empfinden es schon als besondere Verantwortung, mit dem Geld unserer Mitglieder umzugehen und das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Die Förderung durch den Grüner Strom Label e.V. hat es uns da erheblich erleichtert, diesen Schritt auf unbekanntes Terrain zu wagen.
Ich denke, ohne diese Sicherheit gebende Förderung, wäre es wahrscheinlich doch eher bei dem Gründungswunsch geblieben.

Melanie Alberts:
Sie haben bereits spannende Projekte umgesetzt – wie geht’s weiter?

Karl Werner Götzinger:
Ideen haben wir etliche. Das fängt bei weiteren PV-Projekten, nicht nur bei öffentlichen Partnern, sondern auch bei Unternehmen der Region an, geht über mögliche Speicherlösungen und LED-Straßenbeleuchtungsprojekte bis hin zu eCar-Ladestationen oder gar „mobility as a service“ – Lösungen für unsere Mitglieder, was aber ganz sicher nicht unser nächstes Projekt sein wird.
Absolut ermutigend für den Vorstand ist, dass wir einen kontinuierlichen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen und bei jedem neuen Projekt bisher innerhalb kürzester Zeit das erforderliche Eigenkapital einsammeln konnten. Unsere Mitglieder signalisieren uns bei jeder Gelegenheit, dass wir uns um weitere Projekte bemühen sollen. Das tun wir dann auch und ertragen es, wenn manches Projekt länger in der Pipeline auf seine Realisierung warten muss, weil politische Wahlkämpfe und Farbenspiele von manchen Akteuren priorisiert werden.

Melanie Alberts:
Die Energiewende braucht solch starke und überzeugte Akteure wie Sie es mit Ihrer Genossenschaft darstellen.
Was würden Sie anderen Personen empfehlen, die selber aktiv für die Umwelt werden möchten und eventuell sogar auch eine BEG gründen möchten?

Karl Werner Götzinger:
Bei einer Gründung würde ich unbedingt unseren Weg über einen vorgeschalteten Verein empfehlen und in aller Ruhe ein Startprojekt erkunden, das auch zu der zu erwartenden Kapitalausstattung passt. Als Verein kann man schon mal den Umgang mit der lokalen Presse und den Kommunalpolitikern üben, Kontakte zu BEGs und Verbänden knüpfen. Es wird aber auch immer Gegner geben. Auch den Umgang mit diesen kann man in der Form des Vereins sehr gut üben. Unser Tipp hierbei lautet: „Ruhig Blut bewahren – sachliche Diskussion immer, persönliche Angriffe nie!“
Wenn es dann soweit ist - traut Euch - denn wie gesagt:
„Einer muss den Job ja machen !“

Projekte der BEG Köllertal eG gefördert durch das Grüner Strom-Label

Kernkomponente des Ökostromsiegels Grüner Strom ist, dass pro verbrauchter Kilowattstunde Ökostrom ein fester Betrag in neue Energiewende-Projekte investiert wird, wie Photovoltaik-Anlagen, Windparks, E-Mobilität oder auch die Gründung von Bürger-Energie-Genossenschaften.

Mit einem fünfstelligen Betrag konnten bereits drei spannende Projekte der BEG Köllertal durch Grüner Strom Label-Fördergelder vorangebracht werden.

Das aktuellste Projekt war mit einigen spannenden Momenten verbunden, so wurde bis zuletzt gezittert, ob es die Photovoltaik-Module rechtzeitig über die Nordsee schaffen. Die Module wurden benötigt für ein Photovoltaik-Projekt bei dem Handwerkerpark Heusweiler.

Auch bei der Kita in Püttlingen wird seit 2015 auf Sonnenenergie gesetzt – ein weiteres erfolgreiches Projekt der BEG Köllertal. Im Folgejahr war auch das Dach des Rathauses Riegelsberg nicht mehr leer, auch hier wird seit dem auf Ökostrom gesetzt.

Luftansicht von der vom Grüner Strom-Label ko-finanzierten Photovoltaik-Anlage auf der Kita Püttlingen (Foto: Bürger-Energie-Genossenschaft Köllertal eG)
Die PV-Module haben es noch rechtzeitig über die Nordsee geschafft und sind jetzt auf dem Handwerkerpark Heusweiler verbaut. (Foto: Büger-Energie-Genossenschaft Köllertal eG)

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