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Wie sieht die (Energie-)Welt von Morgen aus? Rückblick auf das Energiewendeforum Digital 2021 (Foto: Samantha Borges, Unsplash)

Das Jahr neigt sich dem Ende und unsere fünf Energiewendeforen sind vorbei. Wir haben uns gemeinsam mit Energiewende-Unterstützer*innen die Energiewelt von Morgen angeschaut und eine Plattform für den Austausch von praxisnahen Erfahrungen, Perspektiven und Ideen geschaffen.

Dieses Jahr fand das Energiewendeforum wieder im digitalen Raum statt. Dadurch war es für viele Menschen möglich, am Online-Event teilzunehmen und mitzudiskutieren. Verteilt auf den Sommer und Herbst gab es insgesamt fünf Veranstaltungen zu unterschiedlichen Bereichen aus der Welt der Energiewende mit Impulsvorträgen von 19 Referent*innen und Unterstützung der Deutschen Kreditbank.

Systemintegration und Sektorenkopplung am 10.06.2021

Zur Erreichung der Klimaneutralität müssen die fossilen Brennstoffe durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Wichtig ist dabei die Vernetzung der Sektoren der Energiewirtschaft.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek, Prof. Dr. Ingo Stadler, Kim Viola Kanitz und Markus Mann gaben wertvolle Einblicke in die Themen Energiespeicher, Lastmanagement, Wärmeleitplanung und Power-to-Gas-Anlagen. Mehr Infos gibt es in diesem separaten Rückblick.

Grüner Wasserstoff am 21.09.2021

Grüner Wasserstoff ist ein zentraler Baustein zur Erreichung der Klimaschutzziele, aber auch eines der am meisten diskutierten Themengebiete in der Energiewirtschaft.

Einen Überblick verschaffte uns Marcel Keiffenheim von Green Planet Energy, indem er definierte, wann Wasserstoff wirklich klimafreundlich ist und er sagte dazu: „Ob die Wasserstoffwirtschaft dem Klimaschutz nutzt oder schadet, hängt davon ab, wie wir den Hochlauf gestalten.“

Die Potentiale einer heimischen Wasserstoffwirtschaft stellte uns Christian Mildenberger vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW vor. Er fasste es so zusammen: „Eine heimische Wasserstoffproduktion und die damit zusammenhängenden Wertschöpfungseffekte können gerade im Hinblick auf potenzielle neue Arbeitsplätze ein neues Wirtschaftswunder in Deutschland auslösen. Die Erneuerbare-Energien-Potenziale dafür sind vorhanden und müssen nur genutzt werden.“

Manuela Heise von der Deutschen Kreditbank präsentierte die Energiewende aus der finanziellen Perspektive und veranschaulichte, wie die DKB Wasserstoffvorhaben finanziert. Sie teilt das Potenzial in Grünem Wasserstoff: „Wasserstoff kann wesentlich zur Reduktion des klimaschädlichen CO2-Austoßes in den Sektoren Wärme, Verkehr, Industrie und Strom beitragen. Daher unterstützen wir als größte Finanziererin der Energiewende grüne Wasserstoffvorhaben aus Überzeugung.“

Die Frage nach dem Einsatz von Grünem Wasserstoff beantwortete uns Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Er arbeitet an der Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher.

Mobilitätswende am 29.09.2021

Die Umgestaltung unseres Verkehrssystems zu einer umweltfreundlichen Mobilität ist eine herausfordernde, aber wichtige und vielseitige Aufgabe.

Oliver Geissler von der EnergieAgentur.NRW präsentierte den Status quo der Elektromobilität und öffentlichen Ladeinfrastruktur in NRW und bewertet es so: „Der Hochlauf der Elektromobilität ist in vollem Gange und auch die elektrischen Nutzfahrzeuge stehen bereits in den Startlöchern. Damit die Elektrifizierung des Verkehrs insgesamt gelingt, muss der Hochlauf der öffentlichen Ladeinfrastruktur dringend nachziehen - oder besser noch vorauslaufen.“

Durch den Vortrag von Florian Adler von den Stadtwerken Münster konnten wir uns Bild von der E-Bus-Strategie machen. Er ging besonders auf die Bedeutung von Infrastruktur und Sektorenkopplung ein: „Bei der Umstellung auf Elektrobusse geht es nicht so sehr darum, neue Fahrzeuge zu kaufen. Es braucht ein stimmiges Gesamtsystem, zu dem auch Energiebeschaffung, Infrastruktur und Qualifikation der Mitarbeiter:innen gehört.“

Auch die Mobilitätswende muss finanziert werden. Deshalb gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten von E-Ladesäuleninfrastruktur, die von Jens Richter von der Deutschen Kreditbank aufgezeigt wurden.

Zuletzt blickten wir auf den sozialen Aspekt. Johannes Russmann von NABU zeigte die Wege zu einer umfassenden und sozialverträglichen Mobilitätswende: „Klimaschutz im Verkehr bedeutet mehr soziale Gerechtigkeit - und nicht weniger. Dies zeigen wir mit unserem verbändeübergreifenden Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende anhand vier zentraler Dimensionen auf.“

Mieterstrom am 12.11.2021

Das Konzept Mieterstrom wird immer attraktiver. Strom wird in unmittelbarer Nähe zum Abnehmenden produziert, ohne über das öffentliche Netz geleitet zu werden.

Andreas Gißler von der Heidelberger Energiegenossenschaft eG hat zur Veranschaulichung der Entwicklung die HEG Mieterstromprojekte von 2013 und 2021 miteinander verglichen. Ihm ist es wichtig vor Ort Erneuerbare Energien-Projekte umzusetzen und gemeinsam mit vielen Bürgerinnen und Bürgern die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu realisieren.

Über die aktuellen Herausforderungen von Mieterstrom sprach Björn Fich von der Mainova AG: „Wir müssen Mieterstrom günstiger machen. Allein der „Grüne-Gedanke“ wird Mieterstrom langfristig nicht attraktiv halten.“

Dr. Sarah Debor von der NATURSTROM AG brachte das Thema noch einmal auf den Punkt, indem sie 3 gute Gründe für Mieterstrom und 1 Praxisbeispiel vorstellte und betonte: „Mieterstrom war noch nicht so wichtig und noch nie so attraktiv. Darüber lohnt es sich zu sprechen.“

Kommunen & Kreise vor der Herausforderung Klimaneutralität am 16.11.2021

Bei der Umsetzung Nachhaltiger Entwicklung spielen Kommunen und Kreise eine entscheidende Rolle: Sie setzen die Sustainable Development Goals auf lokaler Ebene um.

Silke Wesselmann vom Kreis Steinfurt und Geschäftsführerin von energieland 2050 e.V. klärte darüber auf, wie man das Ziel Klimaneutralität 2040 anfängt. Dabei bezog sie sich auf die Erfahrungen des Kreises Steinfurt, der sich als Vorreiter und Vorkämpfer der regionalen Energiewende versteht. Dennoch betont Silke Wesselmann noch schneller sein zu müssen.

Elena Cantos von der Agentur für Erneuerbare Energien e.V. sieht die Wärmewende als wichtigen Arbeitsschritt und hielt einen Impulsvortrag über die Kommunen als koordinierende, fördernde und fordernde Instanz: „Der Klimaschutz ist ohne Wärmewende nicht möglich. Dafür kommt Kommunen eine entscheidende Rolle zu.“

Die Wärmewende ist neben der Energiewende auch bei Armin Mayr von der Stadt Regensburg auf unserer Vortrags- und seiner Prioritätenliste: „Die Energie- und Wärmewende kann nur gelingen, wenn der Fokus vom Einzelgebäude hin zu ganzen Quartieren erweitert wird.“


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