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In Folge #9 von 'Strom Aufwärts' beantworten Frank Kalliora, Thomas Weber, Florian Henle und Michael Ramczykowski (v.l.n.r.) unsere Fragen zur Energiekrise. (Fotos: Prokon, ESDG, Polarstern, NEW Energie)

In Folge #9 von „Strom Aufwärts“ haben wir Energieanbieter gebeten, die Energiemarktkrise aus ihrer Perspektive zu beleuchten. Mit dabei ist die größte Energiegenossenschaft Deutschlands, ein Versorger von kirchlichen und sozialen Einrichtungen, ein Social Business und ein Grundversorger.

Die Energiemarktkrise geht an niemandem vorbei - steigende Strom- und Gaspreise und Energiespartipps von allen Seiten. Kaum jemand kennt sich so gut mit den Energiemärkten aus, wie Energieanbieter. Darum haben wir nachgefragt. In der neuen Folge geht um die vielfältigen Ursachen der Energiekrise und die Folgen für Verbraucher:innen, den Marktmechanismus, die Sicherheit der Energieversorgung durch Erneuerbare Energien und die Entwicklung der Energiepreise.

Welche Faktoren haben die Energiekrise verursacht und was bedeutet das für Verbraucher:innen?

Frank Kalliora, Abteilungsleiter des Energiehandels bei Prokon, der größten Energiegenossenschaft Deutschlands, hat die Ursachen komplett beleuchtet: langfristig und kurzfristig, Inland und Ausland; Politik und Wirtschaft. Dabei wird deutlich, dass die Energiekrise eine Vielzahl an Ursachen hat. Die Faktoren haben einen starken Anstieg der Energiepreise zur Folge. Außerdem haben Energieversorger erhebliche Schwierigkeiten dabei, ihre benötigten Energien an den Märkten zu besorgen. Ein Grund dafür ist, dass Händler teilweise keine Angebote mehr abgeben konnten. Somit entstand die Situation, dass die Endverbraucher:innen erhebliche Preisanpassungen auf sich nehmen mussten.

Wie hängt die gebremste Erdgas-Lieferung aus Russland mit teureren Preisen für Ökostrom zusammen?

Durch die gebremsten Mengen an russischem Erdgas steigen nicht nur die Preise für Erdgastarife, sondern auch für Biogas und Ökostrom. Thomas Weber, Geschäftsführer von der ESDG, erklärt, dass Biogas ein Substitut von Erdgas ist, und somit direkt betroffen ist. Die steigenden Preise für Ökostrom erklären sich durch das Merit-Order-Prinzip. Das teuerste Kraftwerk und die letzte kWh bilden den Marktpreis - das ist aktuell die Verstromung durch Gas.

Warum sollte man aktuell überhaupt Ökostrom und Biogas zum Preis der fossilen Energieträger zahlen?

Echte Ökoenergie fördert zusätzlich die Energiewende. Zertifizierter Ökostrom mit dem Grüner Strom-Label und zertifiziertes Biogas mit Grünes Gas-Label enthalten eine Förderkomponente. Dadurch wird der Ausbau Erneuerbarer Energien mit jeder Kilowattstunde verbrauchter Energie gefördert. Das ist nicht nur aktuell ein wichtiger Faktor, sondern sollte immer das Hauptqualitätsmerkmal bei der Auswahl eines Energietarifs sein.

Wie sicher ist die Energieversorgung durch Erneuerbare Energien?

Florian Henle, Gründer und Geschäftsführer des Ökoenergieanbieters Polarstern, hat erklärt, dass die Stromerzeugung unabhängig von der Stromart sicher ist. Strom aus verschiedenen Energiequellen fließt in den Stromsee, aus dem alle Haushalte versorgt werden. Mit dem Bezug von Ökoenergie hat man aber einen Einfluss darauf, wie dieser See befüllt wird. Zwar gibt es volatile erneuerbare Energieträger, jedoch gleichen diese sich meist aus und sind teilweise sehr gut planbar. Aufgrund der geringen Betriebskosten von Erneuerbaren Energien ist langfristig mit niedrigeren Preisen zu rechnen.

Wie werden sich die Energiepreise entwickeln?

Die Zukunft kann niemand voraussehen, aber der Kompetenzcenterleiter Beschaffung/Handel von der NEW, Michael Ramczykowski, gab seine Einschätzung. Diese hängt von vielen Faktoren ab, wie den Temperaturen im Winter, den Entlastungsangeboten der Politik, den europäischen Energiemärkten und der Entwicklung des russischen Krieges auf die Ukraine.

Dir schwirren auch Fragen zur Energiekrise durch den Kopf? Schreib uns eine E-Mail an podcast@gruenerstromlabel.de und wir nehmen deine Frage mit in die nächste Folge!


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