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Im Zuge des Kohlegipfels wurde den Erneuerbaren Energien wenig Beachtung geschenkt.

In Folge des Kohlegipfels haben sich einige unserer Trägerverbände zu den Ergebnissen der Verhandlungen in Berlin geäußert. Vor allem ein früherer Kohleausstieg und die Aufgabe der geplanten Inbetriebnahme von Datteln 4 werden von ihnen gefordert.

Vier unserer Trägerverbände (BUND, DNR, EUROSOLAR und NABU) haben sich in der letzten Woche klar zu den Einigungen des Kohlegipfels positioniert. Deutlich wurde, dass besagte Umweltverbände die Resultate des Kohlegipfels als Bruch mit dem vor knapp einem Jahr ausgehandelten Kohlekompromiss betrachten. Stetige Abschaltungen von Kohlkraftwerken waren im Zuge des Kohlekompromisses vereinbart worden. Allerdings kommt die Bundesregierung dem nun nicht nach, was zur Folge hat, dass der Kohleausstieg weiter hinausgezögert wird. DNR-Präsident Prof. Dr. Kai Niebert kommentiert: „Die Klimakrise ist da, die Klimaziele werden steigen und der Kohleausstieg muss schneller kommen.“

Zudem äußerten sich die Umweltverbände kritisch gegenüber der geplanten Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks „Datteln 4“. Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sagt hierzu: „Es darf nicht sein, dass der deutsche Kohleausstieg mit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Datteln 4 beginnt."

Insbesondere der NABU und EUROSOLAR fordern zudem, dass der Ausbau erneuerbaren Energieanlagen weiter vorangetrieben werden muss. Beide Umweltverbände kritisieren, dass im Zuge des Kohlegipfels kein konkreter Plan dazu entwickelt wurde, wie Kohlestrom in Zukunft durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden soll. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger äußert: „Wie der […] dringend notwendige Ausbau der erneuerbaren Energien mit den aktuell diskutierten Abstandregeln zu Windenergieanlagen realisiert werden soll, steht in den Sternen.“ Stephan Grüger, Vizepräsident von EUROSOLAR, findet noch drastischere Worte: "Wenn die Bundesregierung beschließt, bis 2050 80 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien haben zu wollen, ist damit nicht eine neue Windkraftanlage und auch keine neue Solaranlage gebaut worden.“

BUND, DNR, EUROSOLAR und NABU gehören zu den Trägerverbänden des Grüner Strom-Labels. Kernkriterium des ersten Ökostromlabels Deutschlands ist, dass die Stromanbieter mit einem festen Betrag je verkaufter Kilowattstunde den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Bisher konnten so mehr als 1.300 Energiewende-Projekte realisiert und kofinanziert werden, wie beispielsweise E-Ladesäulen in Konstanz oder Biogasanlagen in Kenia.

Merkmale, die echten Ökostrom auszeichnen, werden in einem öffentlich einsehbaren Kriterienkatalog zusammengefasst und regelmäßig an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst. Bereits in 2014 einigten sich die Umweltverbände darauf, dass das Label keinem Unternehmen erteilt wird, welches neue Beteiligungen an existierenden oder neuen Kohlekraftwerken erwirbt. Über 60 Energieanbieter lassen Ökostromtarife mit dem Grüner Strom-Label zertifizieren und akzeptieren dessen Kriterien. Somit rücken diese aktiv von einer künftigen Stromerzeugung durch Kohlekraft ab. An dieser Stelle scheinen Teile der Energiewirtschaft bereits einen Schritt weiter zu sein, als es die deutsche Bundesregierung ist.


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