Energiewendeforum 2018 | 18.9.2018 | Bonn

Energiewendeforum 2018

des Grüner Strom Label e.V.

18. September 2018 | Bonn


5. Energiewendeforum 2018 des Grüner Strom Label e.V.

Am 18. September 2018 kamen rund 80 Teilnehmer*innen aus Energiewirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, öffentlichen Institutionen sowie Forschung und Entwicklung zum 5. Energiewendeforum des Grüner Strom Label e.V. zusammen. In den Räumen der Stadtwerke Bonn wurde rege über aktuelle Themen der Energiewende diskutiert. Die EnergieAgentur.NRW mit der Dachmarke Elektromobilität NRW war als weiterer Kooperationspartner präsent.

Nach Fachvorträgen rund um ausgewählte Themen der Energiewende am Vormittag ging es nachmittags in drei parallele Themenforen. Abends fand zudem ein Abendempfang anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens statt. Im Fokus der Tagung standen dieses Jahr:

  • E-Mobilität und Verkehrswende
  • Smarte Energieversorgung und Sektorenkopplung
  • Dezentrale Energiewende und Post-2020-Konzepte

 

Ein detailliertes Programm zum Energiewendeforum 2018 finden Sie hier als PDF.


Daniel Craffonara, Geschäftsführer des Grüner Strom Label e.V., eröffnete die Veranstaltung. Heiko Müller begrüßte die Teilnehmer*innen im Namen der Stadtwerke Bonn Energie und Wasser (SWB), die Gastgeber des diesjährigen Energiewendeforums waren. Darauf folgte ein Grußwort von Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW.

Dr. Frank-Michael Baumann

Geschäftsführer
EnergieAgentur.NRW

„Das Interesse an der Energiewende und an Themen wie Sektorkopplung und Elektromobilität ist nach wie vor sehr hoch. Ich freue mich, dass diese Veranstaltung so gut angenommen wird.“

 

 

 

Heiko Müller stellte die Elektromobilitätsstrategie der SWB dar.

Nach der Begrüßung folgten am Vormittag inhaltliche Vorträge und Key-Notes zu den Themen Elektromobilität, integrierte Quartierversorgung, Blockchain und Peer-to-Peer-Stromhandel.

Heiko Müller, Projektingenieur bei SWB, stellte die E-Mobilitätsstrategie der Stadtwerke Bonn vor. Dazu erklärte er:

„Bei Projekten mit Fokus auf E-Mobilität im privaten und öffentlichen Bereich greifen wir grundsätzlich auf Grüner Strom-zertifizierten Ökostrom zurück.“

Die Stadtwerke betreiben einen eigenen E-Fuhrpark, Ladeinfrastruktur für den elektrischen Individualverkehr und sind am TankE-Netzwerk für E-Ladeinfrastruktur mit gemeinsamer App beteiligt. Auch haben die Stadtwerke die Vision, ihren Busbetrieb bis 2030 komplett auf Elektromobilität umzustellen. Mit diesem Ziel vor Augen starteten 2016 bereits sechs Elektrobusse in den Linieneinsatz. Mittlerweile wurden vier weitere E-Busse ausgeschrieben.

Im Vortrag von Salomé Klinger ging es um integrierte Quartiersversorgung.

Salomé Klinger, Teamleiterin bei der Naturstrom AG, erläuterte Konzepte und Praxiserfahrungen der Naturstrom im Bereich Integrierte Quartiersversorgung.

„Wir verstehen uns als kleines, nachhaltiges Mikrostadtwerk in solchen Quartieren.“

Der unabhängige Energieanbieter setzt bereits in mehreren Quartieren erfolgreich ein ganzheitliches Angebot um, bestehend aus Beratung, Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb.

Unter anderem kombiniert Naturstrom in eigenen Mieterstrommodellen den vor Ort produzierten Solarstrom mit Ökostrom aus dem öffentlichen Netz. Erst im Juli 2018 wurde die von Naturstrom konzipierte und umgesetzte Quartiersversorgung des Berliner Möckernkiezes im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Projekt N“ ausgezeichnet.

Klaus Nagl von der Consolinno Energy GmbH sprach über virtuelle Kraftwerke und Peer-to-Peer-Stromhandel.

Nach einer kurzen Kaffeepause referierte Klaus Nagl, Geschäftsführer der Consolinno Energy GmbH, zu Blockchain, virtuellen Kraftwerken und Peer-to-Peer-Stromhandel.

Eine große Herausforderung für den Energiemarkt der Zukunft sei die Notwendigkeit von Flexibilität. Bestehende Mechanismen würden in Zukunft nicht mehr ausreichen und müssten noch flexibler werden. Durch Clustering, die Zusammenstellung von interaktiven Quartieren, die als Einheiten mit Netz und Markt interagieren, sowie durch innovatives Fahrplanmanagement könne die notwendige Flexibilität erreicht und eine nachhaltige, zukunftsfähige und bezahlbare Energieversorgung sichergestellt werden.

Dietmar Oeliger im Keynote "E-Mobilität in der Verkehrswende: Riesige Chance oder Risiko?"

Der Vormittag wurde daraufhin durch einen Key-Note von Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim NABU e.V. und Vorsitzender des Grüner Strom Label e.V., mit dem Titel „E-Mobilität in der Verkehrswende: Riesige Chance oder Risiko?“ abgerundet.

Oeliger betonte, dass Elektromobilität einer der wichtigsten Bestandteile der Verkehrswende ist. Power-to-Gas und Power-to-Liquid erteilte er wegen der geringen Effizienz und des enormen Energieverbrauchs eine klare Absage. Der Wechsel zur Elektromobilität alleine sei seiner Ansicht nach allerdings nicht ausreichend. Bestehende Probleme wie der hohe Flächenbedarf von PKWs, der hohe Ressourcenverbrauch und die Belastung der Umwelt, beispielsweise durch Mikroplastik, könnten alleine durch den Wechsel zu Elektromobilität nicht bewältigt werden:

„Wir brauchen den Wechsel zur Elektromobilität, aber wir brauchen auch deutlich weniger Autos.“

Am Nachmittag ging es in drei parallel stattfindende Themenforen

E-Mobilität und Verkehrswende, Smarte Energieversorgung und Sektorenkopplung, Dezentrale Energiewende und Post-2020-Konzepte

Im Themenforum 1 ging es um die Verkehrswende und die Rolle der Elektromobilität in diesem Kontext. Georg Grothues von der EnergieAgentur.NRW moderierte das Themenforum und gestaltete einen thematischen Input zu E-Mobilität mit Batterien und Brennstoffzellen in NRW. Er betonte, dass das Spektrum sich nicht auf E-Autos beschränkt und als Teil eines sich ändernden Mobilitätsverhaltens aufgefasst werden muss. Auch hob er hervor, dass Elektrofahrzeuge schon heute umweltverträglicher und im Verbrauch günstiger sind als Benzin- und Dieselfahrzeuge.

Im Anschluss stellte Norman Elmers die E-Mobilitätsstrategie der Polarstern GmbH vor. Das 2011 gegründete Unternehmen bietet spezielle Autostrom-Tarife für Elektrofahrzeuge an. Auch kooperiert der Münchener Energieversorger mit dem Unternehmen IONITY, das europaweit Ladeinfrastruktur zur Verfügung stellt. Polarstern versorgt die 100 Schnellladestationen von IONITY in Deutschland mit Grüner Strom-zertifiziertem Ökostrom und trägt so zu einer naturverträglichen Verkehrswende bei.

Daraufhin berichtete Daniel Bargende von der e.Go Mobile AG über neue Mobilitätskonzepte. E.Go Mobile entwickelt kostengünstige E-Autos für Privatpersonen, E-Flottenfahrzeuge und elektrische Kleinbusse. Mit diesem Angebot will das Unternehmen Lücken im Angebot der großen Autohersteller schließen. Im Herbst wird e.Go Mobile mit der Serienproduktion preisgünstiger Elektroautos in Deutschland beginnen, 2019 sollen 10.000 Autos produziert werden.

Abschließend gingen die Teilnehmer*innen des ersten Themenforums in die Garage der Stadtwerke Bonn, wo Elektrofahrzeuge der MANN Naturenergie GmbH & Co. KG begutachtet und ausprobiert werden konnten. Geschäftsführer Markus Mann berichtete aus der Praxis und von seinen Erfahrungen in der Nutzung von E-Mobilität. Er betonte, dass das Interesse für E-Mobilität auch im ländlichen Raum bei den eigenen Kunden in den letzten Jahren stark zugenommen habe. MANN Naturenergie liefert Grüner Strom-zertifizierten Ökostrom aus dem Westerwald, unter anderem auch an die Stadtwerke Bonn.

Der Geschäftsführer Markus Mann teilte die Erfahrungen der MANN Naturenergie im Bereich Elektromobilität mit den Teilnehmer*innen.
Insgesamt konnten drei Elektroautos und die Stromtankstelle der SWB begutachtet und ausprobiert werden.

Im 2. Themenforum ‚Smarte Energieversorgung und Sektorenkopplung‘ führten Rosa Hemmers, Vorstand bei EUROSOLAR und beim Grüner Strom Label e.V., und Tobias Jaletzky, Geschäftsführer des EUROSOLAR e.V., mit einem kurzen Vortrag in das Thema ein. Darauf folgte der Vortrag von Christian Remacly von der RheinEnergie AG. Remacly legte die Grundidee der Initiative „Smart City Cologne“ dar und verdeutlichte die Zielsetzung anhand der Teilprojekte „Klimastraße“ und „GrowSmarter“. Es entstand eine lebhafte Debatte um die Frage, welcher Zusammenhang zwischen der Umsetzung innovativer Quartierskonzepte und dem Anstieg von Lebenshaltungskosten besteht und wie der möglichen Gefahr der Verdrängung von Anwohnern vorgebeugt werden kann. Abschließend gab Tobias Struck, Leiter Energiespeicher und Projekte der WEMAG AG, Einblicke in die Aktivitäten der WEMAG AG und legte die Erfahrungen mit Batteriespeichern dar.

Im anschließenden Workshop verteilten sich die Teilnehmer*innen auf drei Flipcharts und diskutierten mit den Referent*innen zu den jeweiligen Themen.

Am ersten Flipchart diskutierten Tobias Jaletzky und Rosa Hemmers mit Teilnehmer*innen über die Rolle und die Relevanz von Smartness für die Energiewende. In Diskussion stellten die Beteiligten fest, dass es generell positive Assoziationen mit der „smarten Welt“ gibt, die kaum hinterfragt werden. Die größten Treiber im Bereich Smartness seien demnach wirtschaftliche Interessen. Statt diesen Impulsen blind zu folgen benötige es eine gesamtgesellschaftliche Steuerung und eine Debatte darüber, welche Entwicklungen sinnvoll und welche Entwicklungen schädlich sind.

Christian Remcaly bearbeitete zusammen mit den Teilnehmer*innen Fragen rund um den Begriff der SmartCity. Der Begriff „City“ wurde dabei nicht auf den öffentlichen Raum begrenzt – vielmehr gehe die „City“ partiell bis ins Private hinein. Zu den Erwartungen an die SmartCity zählten die Anwesenden eine höhere Lebensqualität bei gleichen Kosten, die Nutzung von Technik im Dienste der Bürger und eine selbsterklärende Gestaltung der Maßnahmen. Verletzungen des Datenschutzes, steigende Kosten und Verdrängung von Anwohner*innen wurden hingegen als Risiken erkannt.

Am dritten Flipchart konnten die Teilnehmer*innen zusammen mit Tobias Struck über den Nutzen und die weiteren Schritte in der Verwendung von Batteriespeicher sprechen. Es wurde festgehalten, dass regulatorische Rahmenbedingungen bisher nicht eindeutig seien und hier Klärungsbedarf bestehe. Weiterhin müsse die Motivation zur Nutzung von Batteriespeichern bei Netzbetreibern erhöht werden, um diese dauerhaft zu integrieren.

Die Teilnehmer*innen hielten gemeinsam fest, wo sie bereits mit der "smarten Welt" in Berührung gekommen sind.
Nach den Vorträgen gab es lebhafte Diskussionen unter den Teilnehmer*innen und mit den Referenten.

Im Themenforum 3 ging es um die dezentrale Energiewende und Post-2020-Konzepte. Marcus Bollmann, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreis Energie des BUND e.V. und Vorstand des Grüner Strom Label e.V., gab einen kurzen Input zu Marktmodellen einer regionalen Energiewende, gefolgt von einem Vortrag zu Mieterstrommodellen und Bürgerenergie von Jan Broekmans (INEP Institut Oldenburg). Anschließend referierte Bernhard Strohmayer, Referent für Energiemärkte und Mobilität des Bundesverband Erneuerbare Energie e.V., über den Betrieb von EE(G)-Anlagen nach dem Jahr 2020. Ramon Kempt bereicherte das Themenforum als Vorstand und Geschäftsführer der Energiegewinner eG mit seinem Vortrag zur Energiewende aus Perspektive der Bürgerenergiegenossenschaften.

Nach den Vorträgen folgte im dritten Themenform ein world-café-Workshop. Die Teilnehmer*innen verteilten sich auf vier Themen-Tische und diskutierten zusammen mit den vier Referenten Fragen zu den jeweiligen Vorträgen.

Die Teilnehmer*innen diskutierten zum Thema Mieterstrommodelle und Bürgerenergie die Frage, wie sich die Kosten für Strom und für den Ausbau von EE-Anlagen in Zukunft auf einem attraktiven Niveau halten lassen. Gefordert wurde eine konstruktive Mitarbeit der Netzanbieter, um attraktive Modelle und Preise realisieren zu können. Durch Mieterstrommodelle könne man auf Dauer auch ohne Förderungen und mit freier Preisgestaltung erfolgreich sein.

An einem anderen Tisch wurde thematisiert, wie EE-Anlagen nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung (ab 2020) noch genutzt werden können. Hier wurde die Frage aufgeworfen, wer dem Betreiber für den Weiterbetrieb der Anlage einen angemessenen Strompreis zahlen kann, beziehungsweise wird und wie das Risiko von Reparaturkosten bewertet werden kann. Als Möglichkeiten der Nutzung wurden Eigenverbrauch und (ggf. gebündelte) Direktvermarktung möglichst gepaart mit einer Aufklärung der Kunden angeführt.

Unter dem Thema „Bürger mit Energie“ wurden Motive für den Eigenverbrauch und Fragen zur Wohnumfeldgestaltung durch die verbrauchernahe Nutzung von erneuerbaren Energien diskutiert. Hierbei wurde zunächst deutlich, dass es dazu eine klare Definition des Terminus ‚verbrauchernah‘ braucht, die bisher nicht gegeben ist. Als Hemmnis wird der regulatorische (Rechts-)Rahmen wahrgenommen, z.B. dass ein Haushalt zum Energieversorger wird, wenn er seinem Nachbarn Strom liefern möchte. Abschließend wurde festgehalten, dass Motive für den Eigenverbrauch von Ökostrom vielfältig seien. Die Überzeugung der Beteiligten von der Sache, energetische Unabhängigkeit, vertrauensvolle Anbieter und das gute Gewissen wurden neben dem Preis als zentrale Motive ausgemacht.

Am vierten Thementisch „Marktmodelle einer regionalen Energiewende“ ging es um die Frage, welche Anreize geschaffen werden müssen, damit z.B. ein Stromausfall im Süden nicht zu einer Kraftwerkszuschaltung im Norden führt. Hier wurde festgestellt, dass es viele Möglichkeiten gibt, Flexibilitäten bei den erneuerbaren Energien zu steigern und Netzbetreibern anzubieten z.B. durch Lastmanagement als auch durch Sektorenkopplung sowie durch die Bündelung mehrerer Quartiere oder Anlagen. Diese Lösungen müssen nicht immer komplex sein; schon durch eine Börsenstrom-geführte Fahrweise eines Biogas-BHKWs, gekoppelt mit einem größeren Warmwasserspeicher lässt sich Ausgleichsenergie generieren und vermarkten.

Antje Fehr und Marcus Bollmann vom Grüner Strom Label e.V. begrüßten die Teilnehmer*innen zum dritten Themenforum.
Im world-café diskutierten Teilnehmer*innen und Referenten Fragen zu den jeweiligen Vorträgen.

Zum Abschluss der Veranstaltung kamen alle Teilnehmer*innen des Energiewendeforums noch einmal zusammen und die jeweiligen Moderator*innen der Themenforen präsentierten die Ergebnisse der Diskussionen und Workshops. Im Anschluss an das Energiewendeforum fand der Abendempfang anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Grüner Strom Label e.V. statt. Hier hatten alle Teilnehmer*innen wie auch schon beim Mittagessen und in den Themenforen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen.

Wir bedanken uns bei den Stadtwerken Bonn, der Energieagentur.NRW und allen Teilnehmer*innen, Moderator*innen und Referent*innen für ein erfolgreiches Energiewendeforum 2018.

Die Teilnehmer*innen nutzten die Gelegenheit zum Austausch und knüpften neue Kontakte.
Rosa Hemmers, stellvertretende Vorsitzende des Grüner Strom Label e.V., begrüßte die Gäste des anschließenden Abendempfangs.
Die Bürgermeisterin Angelica Maria Kappel hielt ein Grußwort im Namen der Stadt Bonn und gratulierte dem Grüner Strom Label e.V. zum 20-jährigen Jubiläum.

Kontakt:

Christian Knops
(Dipl.-Geogr., Social-Media-Manager IHK)

Leiter Kommunikation, Grünes Gas-Zertifizierung

Telefon: 0228 / 522 611-94
E-Mail: c.knops(at)gruenerstromlabel.de


Medienpartner

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